SiD-Veranstaltungen des aktuellen Jahres

Prof. Dr. Dirk van Laak: Zeitgeschichte als Streitgeschichte!?

Historische Kontroversen und politische Kultur nach 1945

Prof. Dr. Dirk van Laak (Universität Leipzig) folgte am 1. Oktober unserer Einladung und referierte zu einem − für etliche Schüler überraschend − faszinierenden Thema. Jasmin Vi Dao Tu begrüßte die Gäste mit einem Orgelstück, bevor Erik Fischer die Gäste und den Referenten willkommen hieß. Herr Fischer ist ehemaliger Schüler des KKG, und er war es auch, der Prof. van Laak für diesen Abend hatte gewinnen können.

 

Der Vortrag, illustriert mit Fotos und Presseschlagzeilen, führte in flotten Schritten durch die Geschichte. Prof. van Laak, der sich rasch als talentierter Rhetoriker offenbarte, stellte Themen des 20. Jahrhunderts vor, um die in der Historikerzunft Streit entbrannt waren. Geschichte ist eine kritische Wissenschaft, die von Quellen lebt, nach Indizien sucht – und nicht selten mit einer lückenhaften Quellenlage daherkommt. Neue Funde können neue Debatten auslösen. Oft führte die Interpretation historischer Ereignisse zu gewichtigen Entwicklungen oder formte weltanschauliche Positionen. Und mit den Zeitzeugen ist das so eine Sache. Ohne sie mag kein Historiker auskommen, aber das menschliche Gedächtnis ist unzuverlässig, deshalb ist ihre Erinnerung nach vielen Jahrzehnten mit Vorsicht zu betrachten.

Zunächst ging es um die umstrittene Einzeltäterschaft beim Reichstagsbrand (1933). Faktenreich erläuterte Prof. van Laak die verschiedenen Positionen. Er zeigte am Beispiel eines jüngst entdeckten Dokumentes, wie rasch eine Kontroverse neu aufbranden kann.

Die „Dolchstoßlegende“ kennt jeder Schüler, so wie den Artikel 231 des Versailles Vertrags. Fritz Fischer hatte mit seinem Buch „Griff nach der Weltmacht“ eine heftige Debatte ausgelöst. Nach und nach tauchten in verschiedenen Ländern unbekannte Dokumente auf, die den „Historiker-Lagern“ neue Argumente zur Hand gaben.

Auch auf die Dresdener Frauenkirche kam Prof. van Laak zu sprechen. War die Bombardierung ein Akt des Terrors? Den 13. Februar begehen nicht alle Menschen jährlich als mahnenden Gedenktag; vielmehr versuchen Rechtsradikale, diesen Tag zu ihrem Zweck zu „besetzen“. Danach lenkte der Referent den Blick auf die autobiografische Darstellung Albert Speers, Lieblingsarchitekt Adolf Hitlers. Der Reichsminister für Bewaffnung und Munition wollte nichts von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen in der deutschen Kriegsproduktion gewusst haben?

Später waren auf der Leinwand plötzlich Briefmarken aus West- und Ostdeutschland zu sehen. Auf eine Briefmarke schaffen es nur wenige berühmte Leute. Eindeutig, wem in der Bundesrepublik und wem in der DDR als Widerstandskämpfer Ehrung gebührte.  

Das Thema Hitler treibt die Historiker seit langem und immer wieder um. Manche vermuten, dass man schon in den 1920er Jahren Hitlers Pläne, eine Diktatur zu errichten, hätte (er)kennen müssen. In den 1960er Jahren erfuhr der Nationalsozialismus, besonders die Person Adolf Hitler, eine verstärkte Reflektion. Der „Spiegel“ enthüllte reihenweise NS-Karrieren. Gerd Heidemann vom „Stern“ verkündete 1983 Sensationelles: Er habe die Hitler-Tagebücher erworben. Renommierte Historiker hatten mit ihren Gutachten danebengelegen, denn bald stellte sich die Fälschung heraus.

Die 1980er Jahre dominierte der Historikerstreit um den „Kausalen Nexus“ (1986), der hauptsächlich zwischen Ernst Nolte und Jürgen Habermas ausgetragen wurde, und der die Historiker-Gilde in zwei heftig miteinander streitende Lager teilte.

Eine jüngere Debatte entstand um die Planung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas (1988-2005). Ist es ein Denkmal oder ein Mahnmal? Prof. von Laak erläuterte beide Ansichten und leitete zum nächsten Streitpunkt über: die Thesen von Daniel Jonah Goldhagen (1996). Dieser behauptete, die Deutschen hätten in ihrer DNA den kulturellen Antisemitismus gegen die Juden verankert. Die Empörung war gewaltig.

Neue Quellen, steile Thesen haben die Forschung stets angeregt und mit Sicherheit vorangebracht. Die Wehrmachtsausstellung von 1995 bis 2001 erhitzte die deutschen Gemüter heftig; sie konfrontierte mit den Verbrechen der Wehrmacht, die sich bis dahin ihrer „weißen Weste“ sicher gewähnt hatten. Allerdings wies die Ausstellung Fehler auf: Texte passten nicht zu Fotos und umgekehrt. Zwar fand die überarbeitete Fassung das gewaltige Interesse ihrer Vorgängerin nicht mehr, aber fortan widmete sich die Forschung der Rolle der Wehrmacht im Holocaust. Auch die Aufarbeitung der Rolle des Auswärtigen Amtes im Dritten Reich liegt noch nicht so lange zurück. Inzwischen beauftragten Ministerien und auch Firmen Historiker damit, ihre „Verstrickungen“ mit dem NS-Staat zu erforschen.

Wie schwierig es sein kann, ein Foto als seriöse Quelle zu nutzen, bewies der Referent an Beispielen. Reichskanzler Hitler steht am 30. Januar 1933 winkend am Fenster − und im Hintergrund ist rechts Rudolf Hess zu erkennen. Nach seinem „England-Flug“ und Verrat ist Hess auf dem offensichtlich bearbeiteten Foto nicht mehr zu finden. Ein anderes Foto zeigt ein Mädchen durch Wasser waten – eine harmlos anmutende Situation. Erst die Rückseite ändert alles: Das Foto stammt aus einem Soldaten-Album und ist mit „Donez zum Don, Minenprobe, 1942“ beschriftet.

Zum Schluss beantwortete Prof. Dr. von Laak die Fragen aus dem Publikum ebenso umfassend wie verständlich. Ein kurzweiliger und aufschlussreicher Abend!

Paula Beutner & Niels H. Gotthard

Diese Veranstaltung förderte die Konrad-Adenauer-Stiftung e. V./Politisches Bildungsforum Sachsen.

  • Diskussionsrunde
  • Prof. Dr. Dirk van Laak
  • Prof. Dr. Dirk van Laak
  • Publikum
  • Begrüßung durch Erik Fischer

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